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Der Apotheker als Gesundheitsberater


Der Apotheker ist nicht nur einer der zugänglichsten Akteure, wenn es um Ihre Gesundheit geht, sondern auch ein kompetenter Ansprechpartner. Als "Hausapotheker", begleitet und betreut er neuerdings die chronisch Kranken bei der Anwendung ihrer Arzneien, damit ihre pharmazeutische Versorgung optimal gewährleistet wird. Dadurch erfährt der Apothekerberuf eine spürbare Aufwertung.

Als Zeichen ihrer Treue haben 86 Prozent aller Verbraucher ihre Stamm-Apotheke zum Kauf ihrer Arzneimittel. In vier von fünf Fällen befindet sich die Apotheke gleich um die Ecke. "Die Menschen sind es gewohnt, zunächst den Rat ihres Apotheker einzuholen, wenn sie Schmerzen oder gesundheitliche Probleme haben", bestätigt Alain Chaspierre, Vizepräsident der belgischen Apothekervereinigung. Die Apotheke ist der einzige zugängliche Ort, wo der Patient kostenlos rund um seine Gesundheit beraten wird. Bei Bedarf und vor allem bei alarmierenden Anzeichen verweist der Apotheker selbstverständlich an den Hausarzt".

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, einen Hausapotheker zu benennen, genauso wie man seine allgemeine medizinische Akte seinem Hausarzt anvertraut, um eine Therapie fortwährend angemessen durchzuführen. "Besonders angebracht ist diese Entscheidung bei Patienten, die täglich gleich mehrere Arzneimittel einnehmen müssen und sich nicht immer darin zurechtfinden, bemerkt Alain Chaspierre. Daher eignet sich dieses neue Angebot in erster Linie für chronisch Kranke, für Patienten, die beispielsweise an Diabetes, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (BPCO), Asthma oder Krebs leiden und mehrere Behandlungen erhalten. Der richtige Umgang mit Arzneimitteln ist zur  Aufrechterhaltung der persönlichen Autonomie von großer Bedeutung. Er verzögert zudem den Krankheitsverlauf.

An vorderster Front

"Natürlich haben die Apotheker nicht auf die Einrichtung dieser neuen Dienstleistung gewartet, um ihre Patienten persönlich zu begleiten und zu betreuen oder sich mit den verordnenden Ärzten zu beraten", sagt Thomas Calande, Apotheker und leitender Geschäftsführer bei EPC-Familia. Er räumt ein, dass die Einführung des „Hausapothekers“ für chronisch kranke Patienten noch einen Schritt weitergeht, da sie ihn formell als Experten in der pharmazeutischen Versorgung anerkennt und kennzeichnet.

"Für die Versorgung mit Arzneimitteln stehen wir bei den Patienten an vorderster Front, sind aber auch letzte Anlaufstelle, damit es nicht zu Komplikationen oder Unfällen kommt", fügt Carl Moens, Offizinalpotheker in der Region Namur, hinzu.

Wir erstellen für den Patienten einen Medikamentenplan, decken Doppelmedikationen bei Verordnungen durch verschiedene Ärzte auf, informieren über mögliche Nebenwirkungen, warnen vor den Risiken bei Überkonsum, stellen Nebenwirkungen oder negative Wechselwirkungen fest, usw ... Alle diese Dienstleistungen gehören in unseren Fachbereich. Wir können daher diese offizielle Benennung unserer zentralen Funktion bei unseren Patienten und anderer Leistungserbringer nur begrüßen ".

Der Berufszweig der Apotheker begrüßt diesen Beschluss, der nach seiner Ansicht zum richtigen Zeitpunkt fällt, da ihm in der Tat immer noch das Image des simplen Arzneimittellieferanten nach dem Vorbild eines Krämerladens anhaftet. Die Zeiten, als der Apotheker zunächst Hersteller magistraler Zubereitungen war, sind schon eine Weile her. Sicherlich gehört diese Praxis noch immer zu seinen Aufgabenauch wenn diese Praxis zweifelsfrei nützlich bleibt, besonders bei auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Behandlung.

Es muss an dieser Stelle nicht besonders betont werden, dass die Apothekerbranche heutzutage im harten Konkurrenzkampf steckt. Die Liberalisierung des Sektors mit Angeboten wie Internetshopping oder grenzüberschreitende Apotheken stellen die immerhin sehr zahlreichen traditionellen Apotheken vor großen Herausforderungen. Die belgischen Apotheken versorgen ihre Kundschaft mit Arzneimitteln; das sind 80 Prozent ihrer Aktivitäten. Der Sektor hat verstanden, dass die Apotheker in Zukunft zusätzliche Dienstleistungen mit Mehrwert anbieten müssen, um sich gegenüber der Konkurrenz abzugrenzen. 

Der Apothekerberuf ist seit mehreren Jahren im Wandel. Als konkretes Beispiel gilt die Einführung einer Gebühr für alle erstattbaren Arzneimittel, verbunden mit der Verpflichtung für den Apotheker, dem Patienten bei der Abgabe alle notwendigen Informationen zu geben. Infolgedessen werden zwar durch die Verringerung der Entschädigung „je Packung“ die wirtschaftlichen Spielräume geschmälert, andererseits wird aber die Honorierung für die Beratung des Patienten aufgewertet.

Den Patienten erziehen

Seit 2013 werden die Apotheker ermutigt, ihr Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Patienten-Zielgruppe zu richten. Ziel dieser Initiative: den Patienten begleiten, um seine Therapiezustimmung zu verbessern; in diesem Fall handelt es sich um Personen, die eine Kortison-Therapie zur Behandlung ihres Asthma beginnen. Zur Unterstützung wurde die Gewährung eines „Leistungshonorars“ eingerichtet." Anlass für diese Initiative waren Beobachtungen, denen zufolge kaum 20 Prozent der Patienten ihre inhalierten Kortison-Präparate korrekt anwenden", erklärt Carl Moens. Es ist also sehr wichtig, den Patienten eingehend über die Anwendungsweise seiner Arzneien zu informieren, um sicherzustellen, dass er alle Empfehlungen richtig verstanden hat. Dies muss sowohl zu Beginn als auch nach der Behandlung geschehen, damit das Asthma optimal therapiert wird."

Im Anschluss an eine bewertende Bestandsaufnahme wurde dieser Dienst vor einigen Monaten auf Patienten mit chronischem Asthma ausgedehnt. "Es geht um die Bereitschaft des Patienten zur Mitarbeit bei therapeutischen Maßnahmen, um dadurch eine Steigerung seiner Lebensqualität zu ermöglichen", erklärt Alain Chaspierre.  Indem sie Informationen über die Krankheit und die Bedeutung von guten Gewohnheiten wie Einstellen des Tabakkonsums, Sport treiben in die Beratungen einfließen lassen, sind die Apotheker fest entschlossen, in Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsfachkräften, Ansätze zur Gesundheitserziehung zu leisten ", sagt er. Dazu gehört die persönliche Unterstützung des Hausapothekers für chronisch Kranke, die verschiedene Therapien erhalten. In diesem Zusammenhang und in der gleichen Logik gilt dann auch ein Festbetrag als Honorierung für eine dauerhafte Gegenleistung.

"Diese Entwicklung ist entscheidend für unseren Berufszweig, ja sogar von existenzieller Bedeutung, da sie es uns ermöglicht, als wahre medizinische Fachkraft zu agieren", meint Thomas Calande. "Wir sind wirklich an einem anspruchsvollen aber auch begeisternden Wendepunkt angelangt", sagt Carl Moens."

Raum für vertrauliche Beratung

Mit der Einführung des Hausapothekers ist der Zeitpunkt gekommen, um über die Apothekeneinrichtung und die Organisation der Arbeitsabläufe nachzudenken, damit dem Patienten mehr Zeit gewidmet und Raum für vertrauliche Beratungsgespräche zur Verfügung gestellt werden können. 

Carl Moens hat vor kurzem seine Apotheke in drei Einheiten umgebaut: im vorderen Bereich eine Hauptverkaufstheke, etwas dahinter eine weitere... und ein getrennter Raum für die persönliche Patientenberatung. "Ganz selbstverständlich habe ich Bereiche eingerichtet, um in aller Diskretion einen offenen Austausch und diskretes Zuhören zu ermöglichen", sagt der Apotheker. Es ist in der Tat für einen Patienten nicht immer einfach, seine gesundheitlichen Probleme zu erklären, heikle Fragen zu stellen oder sich nach einem bestimmten Produkt zu erkundigen, wenn um ihn herum andere Menschen in der Apotheke. Es ist mitunter recht heikel, als alter oder kranker Mensch stehend im Thekenbereich vom Apotheker beraten zu werden.

"Ich kann gut nachvollziehen, dass solche Umbauten in kleinen Apotheken nicht einfach zu realisieren sind. Zudem ist es für einen alleine arbeitenden Apotheker nicht leicht, sich Zeit für umfassende Patientenberatungen zu nehmen. Ich bin aber der Ansicht, dass dies unerlässlich ist und zweifellos die Zusammenlegung von kleineren Strukturen mit sich bringen wird, um weiter existieren zu können", gesteht der Apotheker. Wenn er einem Patienten eine Beratung anbietet, hat Carl Moens es so eingerichtet dass seine Mitarbeiterin während dieser Zeit die Bedienung an der Kundentheke übernehmen kann. "Manchmal fragen mich die Patienten am Ende einer Beratung, wie viel sie mir schulden", lächelt er, "und sind überrascht, wenn ich ihnen darauf sage, dass dieser Dienst kostenlos ist."

In Belgien scheint die Einrichtung von diskreten Beratungsbereichen in Apotheken immer noch nicht gängige Praxis zu sein, obwohl sie im Handbuch für vorbildliche pharmazeutische Praktiken empfohlen wird.

Auf der anderen Seite ist sie in Kanada inzwischen weit verbreitet, seitdem ein Gesetz den Apotheker zum Leistungserbringer ernannt hat. "Die Benennung eines Hausapotheker ist gleichzeitig Chance und Herausforderung, um die Beratung in den Vordergrund zu stellen", versichert Alain Chaspierre, Vizepräsident der Belgischen Apotheker-Vereinigung. Um so weit zu kommen, müssen Apotheker und Patient aber erst einmal ihre Denkweise anpassen.