Wechseljahre und Beruf: Wege zu mehr Wohlbefinden bei der Arbeit

Die Wechseljahre können zahlreiche Symptome verursachen, die von außen häufig nicht erkennbar sind, aber die berufliche Tätigkeit erschweren können. Mit geeigneten Maßnahmen lässt sich jedoch konkret etwas dafür tun, die Gesundheit von Frauen im Arbeitsleben zu erhalten und ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu stärken.

Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebensphase und treten in der Regel zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr ein, wobei das Durchschnittsalter bei etwa 51 Jahren liegt. Ihr geht die (Peri-)Menopause voraus, eine Übergangsphase, die mehrere Jahre dauern kann und in der die ersten Beschwerden auftreten. Viele Frauen bringen ihre Symptome nicht mit der (Peri-)Menopause in Verbindung. 

Mangelndes Wissen und das nach wie vor bestehende Tabu rund um die (Peri-)Menopause können gesundheitliche Probleme verschärfen, berufliche Entwicklungen beeinträchtigen und bestehende Ungleichheiten im Arbeitsleben verstärken. Die Wechseljahre besser zu verstehen und die verfügbaren Unterstützungsmöglichkeiten zu kennen, ermöglicht es, gezielt zu handeln und die Gesundheit von Arbeitnehmerinnen zu schützen.  

Welche Auswirkungen haben die Wechseljahre auf das Berufsleben?

Die mit den Wechseljahren verbundenen Beschwerden enden nicht am Arbeitsplatz. Hitzewallungen, Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, anhaltende Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie eine erhöhte Stressanfälligkeit können den Berufsalltag beeinträchtigen. Diese Symptome bleiben für Kolleginnen und Kollegen häufig unsichtbar, können die Arbeit jedoch deutlich erschweren und mitunter sogar belastend machen. In manchen Fällen können sie sich auch auf die berufliche Entwicklung auswirken (Arbeitsunfähigkeit, Reduzierung der Arbeitszeit oder Verzicht auf Positionen mit größerer Verantwortung…).

2022 wurde in Belgien erstmals eine umfassende Securex-Studie zu den Auswirkungen der Wechseljahre auf die Arbeitswelt durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass:

  • fast 88 % der menopausalen Frauen unter Beschwerden leiden;
  • 55 % dieser Frauen angeben, dass diese Symptome ihre Arbeit beeinträchtigen;
  • zudem berichten betroffene Frauen über einen höheren Erholungsbedarf, höhere Burn-out-Werte und sind häufiger am Arbeitsplatz abwesend.

Dennoch sind die Auswirkungen der Wechseljahre auf die Karriere von Frauen in Belgien bisher nur unzureichend dokumentiert. Dennoch zeigen die Erfahrungen in unseren Nachbarländern deutlich, dass die Wechseljahre erhebliche Auswirkungen auf das Berufsleben haben können. Im Vereinigten Königreich verlässt eine von zehn Frauen aufgrund ihrer Menopausebeschwerden ihren Arbeitsplatz. In Frankreich spricht man von der sogenannten „Menopause-Strafe“, die dazu beitragen kann, Frauen schrittweise aus dem Erwerbsleben zu drängen - und das in einer Lebensphase, in der ihre Kompetenzen, ihre Erfahrung und ihre Verfügbarkeit besonders wertvoll sind. 

Beschwerden in den Wechseljahren und Herausforderungen am Arbeitsplatz

Noch immer sind viele Frauen nicht ausreichend über die Symptome der Wechseljahre und deren Auswirkungen auf ihre Arbeit informiert. Auch wenn diese Beschwerden weder die Kompetenzen noch die Motivation der betroffenen Frauen infrage stellen, können sie den Berufsalltag deutlich anspruchsvoller machen:

  • Hitzewallungen: erhebliche körperliche Beschwerden, sichtbares Schwitzen bei Besprechungen oder im Gespräch mit Kollegen und Kunden.
  • Schlafstörungen und chronische Müdigkeit: starke und anhaltende Müdigkeit am Morgen, die sich auf das Gedächtnis, die Konzentration, die Stimmung und den Stress auswirkt.
  • Konzentrationsschwierigkeiten: der mentale Nebel („brain fog“) erschwert die Bewältigung komplexer Aufgaben. Er kann zudem das Selbstvertrauen beeinträchtigen. 
  • Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen: Diese wirken sich auf die beruflichen Beziehungen und die Atmosphäre im Team aus.
  • Körperliche Symptome: Gelenk- oder Muskelschmerzen erschweren körperliche Arbeit oder langes Sitzen.

Harnwegsbeschwerden: häufiger Harndrang und ein verstärktes Bedürfnis, die Toilette aufzusuchen.  

Die Wechseljahre: ein Tabuthema am Arbeitsplatz

Trotz ihrer Häufigkeit und ihrer Auswirkungen sind die Symptome der Wechseljahre am Arbeitsplatz nach wie vor ein sensibles Thema, da sie oft als sehr persönlich wahrgenommen werden. Viele Frauen passen sich stillschweigend an, aus Angst, beurteilt, missverstanden oder belächelt zu werden. Sie zögern, ihre Bedürfnisse anzusprechen, obwohl ein offener Dialog häufig der erste Schritt zu geeigneten Unterstützungsmaßnahmen und Anpassungen ist.

Über die Wechseljahre zu sprechen, bleibt eine individuelle Entscheidung. Wenn ein vertrauensvolles Umfeld besteht, kann der Dialog einfache Anpassungen am Arbeitsplatz erleichtern, die das Wohlbefinden sowohl der betroffenen Person als auch des Teams verbessern. Individuell angepasste Maßnahmen sind oft wirksamer als spezielle Freistellungen oder zusätzliche Urlaubstage: Sie fördern den langfristigen Verbleib im Berufsleben und tragen den individuellen Bedürfnissen und Lebensrealitäten der einzelnen Frauen besser Rechnung.

Wie und mit wem darüber sprechen?

Um diese Zeit am Arbeitsplatz besser zu bewältigen, können Arbeitnehmerinnen verschiedene einfache und konkrete Maßnahmen in Betracht ziehen:

  • Hilfreich ist es, sich auf ein Gespräch vorzubereiten und konkrete Vorschläge für individuelle Anpassungen mitzubringen, etwa flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice, geeignete Arbeitskleidung, eine bessere Belüftung des Arbeitsplatzes, eine vorübergehende Anpassung der Arbeitsbelastung oder zusätzliche kurze Pausen.
  • Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, sich an die Personalabteilung oder eine Vertrauensperson zu wenden, um die Möglichkeiten der Unterstützung im Unternehmen zu besprechen und sich über bestehende Maßnahmen zum Thema „Menopause und Arbeit“ zu informieren.
  • Offen mit Kollegen über die eigenen Beschwerden zu sprechen, kann dazu beitragen, Verständnis und Unterstützung zu erhalten. Erfahrungen zu teilen, gemeinsam zu lachen, Tipps auszutauschen und sich gehört zu fühlen: Soziale Unterstützung spielt eine wertvolle Rolle dabei, die psychische Belastung zu verringern und Stress im Alltag nachhaltig zu reduzieren. 
  • Darüber hinaus kann der Arbeitsarzt direkt kontaktiert werden, um vertraulich mögliche Anpassungen des Arbeitsplatzes oder der Arbeitsbedingungen zu besprechen, beispielsweise in Bezug auf Ergonomie, Arbeitszeiten oder Aufgaben. Dies ist möglich, ohne den Arbeitgeber darüber informieren zu müssen. Dieser Ansatz zielt darauf ab, einer Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen, indem die Arbeit an den Gesundheitszustand angepasst wird.

Lösungen für einen besseren Umgang mit den Wechseljahren am Arbeitsplatz 

Die eigenen Symptome besser zu verstehen und herauszufinden, was sie im beruflichen Alltag verstärkt oder abschwächt, ist ein wichtiger erster Schritt zu mehr Ausgeglichenheit zwischen Arbeit und Gesundheit. Da jede Arbeitssituation unterschiedlich ist – etwa in Bezug auf Arbeitszeiten, körperliche Anforderungen, Arbeitsrhythmus oder Umgebung –, können bereits gezielte Anpassungen veränderbarer Faktoren das Wohlbefinden spürbar verbessern.

Hier sind einige einfache und konkrete Tipps, wie man sein Wohlbefinden am Arbeitsplatz fördern und dabei seine Bedürfnisse und Grenzen respektieren kann:

  • Umgang mit Hitzewallungen am Arbeitsplatz
    • Das Zwiebelprinzip anwenden (mehrere Kleidungsschichten übereinander tragen).
    • Ein Wasserspray benutzen, um sich zwischendurch zu erfrischen.
    • Den Schreibtisch möglichst in der Nähe eines Fensters oder einer gut belüfteten Stelle stellen.  
    • Stets frisches Wasser griffbereit haben, um ausreichend zu trinken und den Körper zu kühlen.
  • Die Arbeit unter Berücksichtigung von Ermüdungsphasen organisieren
    • Anspruchsvolle Aufgaben auf die Tageszeiten legen, in denen die eigene Energie am höchsten ist.
    • An Tagen mit besonders ausgeprägten Beschwerden nach Möglichkeit Homeoffice nutzen.
    • Die Arbeitszeiten anpassen. 
  • Stress reduzieren
    • Regelmäßig kurze Pausen einlegen, um sich besser zu erholen und neue Energie zu tanken.
    • Atem- oder Entspannungsübungen praktizieren.   

Darüber hinaus ist es wichtig, die eigene Gesundheit ganzheitlich im Blick zu behalten. Ausreichender und erholsamer Schlaf, eine ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung bilden eine wichtige Grundlage, um die Beschwerden der Wechseljahre möglichst gut zu bewältigen und die Lebensqualität zu erhalten.

Wann sollte man eine medizinische Fachkraft aufsuchen?

Wenn die Beschwerden der (Peri-)Menopause schwer zu bewältigen sind und Veränderungen des Lebensstils nicht ausreichen, ist es wichtig zu wissen, dass es weitere Unterstützungsmöglichkeiten gibt.

Ein Gespräch mit einer medizinischen Fachkraft, einem Gynäkologen oder dem Hausarzt ermöglicht eine individuelle Beratung, persönliche Begleitung und gegebenenfalls eine auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmte Behandlung, um diese Lebensphase besser zu bewältigen.

Um Ihnen bei der Vorbereitung auf Ihren nächsten Arztbesuch zu helfen, können Sie die von „Woman in menopause“ erstellte Checkliste nutzen.

Über die Wechseljahre sprechen: eine persönliche Entscheidung, ein gemeinsamer Hebel

Den Wechseljahren am Arbeitsplatz Aufmerksamkeit zu schenken, betrifft nicht nur Frauen, die sich in dieser Lebensphase befinden. Es ist auch eine gemeinsame Aufgabe, die: 

  • zu einem inklusiveren Arbeitsklima beiträgt,
  • das Verständnis innerhalb von Teams verbessert,
  • die Gleichstellung von Frauen und Männern fördert,
  • die nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit unterstützt, indem sie hilft, gesundheitsbedingte Abwesenheiten zu vermeiden.
  • die demografische Entwicklung der Erwerbsbevölkerung berücksichtigt, indem sie qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen hält.

Wechseljahre und Wohlbefinden am Arbeitsplatz: Die Rolle der Arbeitgeber

Arbeitgeber, Präventionsstellen und politische Entscheidungsträger werden sich zunehmend der Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen bewusst. Zur Schaffung eines unterstützenden Arbeitsumfelds können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. 

  • Ein Klima des Vertrauens schaffen

    Ein Klima des Vertrauens schaffen, in dem Gespräche über die Wechseljahre am Arbeitsplatz möglich sind. 
    Die Personalabteilung über die Herausforderungen der Wechseljahre, deren Symptome und die Auswirkungen auf die Arbeit informieren und eine offene, respektvolle und verständnisvolle Kommunikationskultur fördern, damit betroffene Frauen sich sicher fühlen, ihre Bedürfnisse und Schwierigkeiten mit ihrem Vorgesetzten anzusprechen.

  • Über die (Peri-)Menopause informieren

    Mitarbeitende gezielt an geeignete Ansprechpersonen wie die Personalabteilung oder eine Vertrauensperson verweisen, damit sie bei Bedarf Unterstützung 

  • Arbeitsplätze anpassen

    Besondere Aufmerksamkeit auf das Raumklima richten, insbesondere auf eine angemessene Belüftung und eine angenehme Temperatur in den Arbeitsräumen. Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten bei bestehenden Bekleidungsrichtlinien oder Arbeitskleidung vorsehen…

  • Mehr Flexibilität bieten

    Mehr Flexibilität und Eigenverantwortung bei der Gestaltung von Arbeitszeiten, Homeoffice, Aufgaben und Pausen ermöglichen, damit notwendige Anpassungen vorgenommen werden können.

  • Die Arbeitsbelastung anpassen

    Auf eine angemessene körperliche, emotionale und mentale Arbeitsbelastung achten, insbesondere in Berufen mit hohen körperlichen Anforderungen: Arbeitsziele regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls anpassen sowie gezielte Unterstützung und Begleitung anbieten.

  • Einen ganzheitlichen Ansatz für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz verfolgen

    Die Wechseljahre in einen ganzheitlichen Ansatz für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und in eine umfassende Altersmanagementstrategie einbeziehen.