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Ärztehäuser im Pauschalsystem: zugängliche und qualitativ hochwertige gesundheitliche Patientenversorgung


Die intermutualistische Agentur hat einen Kosten- und Qualitätsvergleich für Gesundheitsleistungen in den beiden grundversorgenden Pflegesystemen aufgestellt: Einzelleistungsabrechnung und Behandlungsabrechnung im Ärztehaus über einen Festbetrag. Das Ärztehaus nimmt zweifelsfrei einen festen Platz in unserem Gesundheitssystem ein.

Die belgische Gesundheitsversorgung wird über zwei Systeme finanziert. Der größte Anteil ist dem System der Einzelleistungsabrechnung zuzuschreiben, demzufolge die Gesundheitsleistungen durch einen Leistungserbringer bescheinigt und dem Versicherten von seiner Krankenkasse teilweise erstattet werden. Die Behandlung im Ärztehaus wird über einen Festbetrag und durch Vorfinanzierungen mit den Krankenhäusern geregelt, unabhängig von den in Anspruch genommenen Leistungen seitens des Patienten. In den letzten Jahren ist dieses Pauschalsystem rasch gewachsen; es wird von 3 Prozent der belgischen Patienten in Anspruch genommen.

Zehn Jahre nach einer ersten Studie des Föderales Wissenszentrum Gesundheitsversorgung (KCE) hat die intermutualistische Agentur einen neuen Kosten- und Qualitätsvergleich für Pflege in den beiden grundversorgenden Pflegesystemen durchgeführt und die Streubereiche der erzielten Resultate zwischen den einzelnen Ärztehäusern untersucht.

In dieser Studie wurden zwei Stichproben bei 50.000 Personen mit demselben Muster miteinander verglichen, denen zufolge eine erste das Pauschalsystem und eine andere das Einzelleistungsabrechnungssystem betraf. Es handelte sich um eine durchschnittlich jüngere, aber auch im Vergleich zum Landesdurchschnitt sehr sozialschwache Bevölkerungsschicht. 

Schautafel 1: Vergleich der Ausgaben für die Krankenversicherung: medizinische Versorgung zum Festpreis und medizinische Versorgung in Einzelleistungsabrechnung (gepaarte Stichproben bei 50.000 Personen) - durchschnittliche Pro Kopf-Ausgaben für das Jahr 2014:

PauschalsystemEinzelleistung
Ausgaben der ersten Linie413 Euro210 Euro
Ausgaben der zweiten Linie1.661 Euro1.870 Euro
Gesamtausgaben2.074 Euro2.080 Euro

Erste Feststellung: beide Systeme weisen die gleichen Kostenbestandteile auf: die im Festpreissystem erbrachten höheren Kosten für die Gesundheitsleistungen der ersten Linie (Ärzte, Physiotherapie und Krankenpflege) werden durch die Einsparungen in der zweiten Linie (Arzneimittel, Krankenhausaufenthalte, institutionalisierte Betreuung, usw.) vollständig aufgefangen. Für die Patienten erweist sich das Festpreis-System jedoch günstiger: erstens gibt es in der ersten Linie keine Selbstbeteiligung und zweitens sind die Kosten für den Patienten auch auf dieser Ebene weniger hoch, da in der zweiten Linie ein geringeres Maß an Gesundheitsleistungen und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln notwendig sind. 

Zweite Feststellung: die auf der Grundlage bestimmter Qualitätsindikatoren erzielten Ergebnisse fallen in den pauschalen Zentren besser aus. Dies betrifft beispielsweise den Impfschutz für ältere Menschen gegen die saisonale Grippe und die Früherkennung von Gebärmutterhals- und Brustkrebs bei Frauen. Auch werden Antibiotika-Verordnungen maßvoller und in besserem Einklang mit den empfohlenen Molekülen ausgegeben. Zudem werden kostengünstigere Arzneimittel häufiger verschrieben. Schließlich werden Diabetiker besser eingestellt. Und dennoch besteht weiter erheblicher Spielraum für Verbesserungen im Hinblick auf nationale und internationale Empfehlungen.

Darüber hinaus bestätigt die Studie, dass die Ärztehäuser in der ersten Linie für die sozialwirtschaftlich gefährdeten Bevölkerungsgruppen leicht zugänglich sind, die ansonsten ihre gesundheitliche Versorgung aufschieben würden. 

Schließlich zeigt die Studie, dass der Festpreisfinanzierungsmodus allein nicht ausreicht, um die allgemein beobachteten guten Ergebnisse zu garantieren. In der Tat zeigt die Analyse die manchmal wichtigen Unterschiede zwischen den Ärztehäusern, insbesondere im Hinblick auf Einsparungen in der zweiten Linie.

Diese Studie zeigt, dass die Abrechnung einer Behandlung im Ärztehaus über Festbetrag  neben der traditionellen Einzelleistungsabrechnung ihren festen Platz in unserem Gesundheitssystem hat. Sie zeigt auch, dass eine zugängliche und multidisziplinäre Versorgung in der ersten Linie die Kosten einer Behandlung in der zweiten Linie sogar reduzieren hilft. Darüber hinaus stellt sie ihre Qualität keineswegs infrage, denn die Ergebnisse auf den verschiedenen Qualitätsindikatoren fallen sogar besser aus als bei einer Einzelleistungsabrechnung.

Unsere Empfehlungen

Damit sich die Ärztehäuser mittels Abrechnung  über Festbetrag  optimal und wirksam entwickeln können, gibt die intermutualistische Agentur folgende Empfehlungen:

  • Stärkung der Rechtsgrundlage des Abrechnungssystems über Festbetrag, damit in jedem Zentrum einerseits Kontinuität und Qualität in der gesundheitlichen Versorgung gewährleistet ist und andererseits die Risikoauswahl möglichst  vermieden wird.
  • Das Finanzierungsmodell dem Betreuungsbedarf der Patienten mit der jedem Ärztehaus zugewiesenen Gebühr abgleichen.
  • Die Finanzierungsmodell – basierend auf die guten Ergebnisse ihrer Präventionspraktiken - prioritär auf die multidisziplinäre Behandlung im Ärztehaus über Festbetrag ausrichten.
  • Aufwertung des pauschalen Finanzierungsmodells angesichts der Problematik der Vernachlässigung und der Zugänglichkeit zur gesundheitlichen Versorgung der sozialwirtschaftlich gefährdeten Bevölkerungsgruppen. 
Intermutualistische Agentur