Die neue Website der CKKInfos und AktuellesNeuigkeiten2018

Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs


Gebärmutterhalskrebs ist derzeit die zwölfthäufigste Krebserkrankung bei Frauen in Belgien. Jedes Jahr befällt diese bösartige Erkrankung in unserem Land nahezu 650 Frauen, während 200 daran sterben. Die Krankheit entwickelt sich langsam, so dass sie, lange bevor sie gefährlich wird, erkannt und behandelt werden kann.

Wie funktioniert die Früherkennung ?

Der Abstrich (auch Zervikalabstrich) ist eine normale, kurze und schmerzfreie gynäkologische Untersuchung, in deren Verlauf die Scheide mit einem eingeführten Metallspatel (Spekulum) schmerzlos entfaltet wird: der Arzt führt einen sterilen Spatel, Wattestäbchen oder eine kleine Bürste ein, streicht damit über die Schleimhautoberflächen und entnimmt das benötigte Probematerial. Im Labor wird das aus der Scheide entnommene Untersuchungsmaterial auf Anzeichen für bösartige Veränderungen analysiert.

Wenn eine Anomalie festgestellt wird, verordnet der Arzt einen weiteren Test sowie eine Überwachung während der darauffolgenden Monate. Alternativ macht er eine Kolposkopie (Gebärmutterhalsspiegelung und bei Bedarf eine Entnahme von Gewebeproben) oder einen lokalen Eingriff.

Um Anomalien rechtzeitig feststellen zu lassen, sollten Frauen zwischen 25 und 65 Jahren diesen Abstrich idealerweise alle drei Jahre durchführen lassen. Die Wechseljahre sollten kein Grund dafür sein, sich dieser Früherkennung nicht mehr zu unterziehen. Bestimmte Anomalien, die beim Abstrich diagnostiziert wurden, heilen innerhalb von 6 bis 18 Monaten spontan aus.

Gut zu wissen: Zu häufige Abstriche (innerhalb einer Frist von weniger als drei Jahren) erbringen keinen Nutzen; ganz im Gegenteil: sie beunruhigen und führen zu unnötigen Behandlungen.

Das HPV-Virus im Brennpunkt

Mehr als 95 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen gehen auf eine anhaltende Infektion mit dem humanen Papillomavirus (auch HPV) zurück. Diese weitverbreiteten Viren übertragen sich leicht über die Schleimhäute von Genitalien und Mund und führen zu Infektionen, die zumeist unbemerkt bleiben und innerhalb weniger Monate spontan ausheilen. Aber manchmal nistet sich das Virus in den Zellwänden des Gebärmutterhalses ein und kann nach und nach zu bösartigen Wucherungen führen, woraus sich in einigen Fällen nach 10 bis 15 Jahren eine Krebserkrankung entwickeln kann.

Gut zu wissen: Geschlechtsverkehr in jungen Jahren, wiederholter Partnerwechsel, sexuell übertragbare Krankheiten und Rauchen erhöhen das Risiko auf Gebärmutterhalskrebs.

Regelmäßig an Abstriche denken

Das Risiko einer Gebärmutterhalskrebserkrankung kann durch Impfung gegen das humane Papillomavirus eingegrenzt werden (siehe weiter unten). Eine Schutzimpfung bewahrt allerdings nicht vor allen HPV-Viren; daher bleibt der Abstrich eine wesentliche Vorbeugungsmaßnahme für alle Frauen. Je rechtzeitiger eine Diagnose gestellt wird, umso schonender kann die Behandlung durchgeführt werden und desto weniger wird die Fruchtbarkeit bedroht. Eine frühzeitige Diagnose bei noch relativ lokaler Ansiedelung der Erreger erhöht die Genesungschancen wesentlich.

Weiterführende Informationen

Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs wird größtenteils von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet, aber die Leistung wird auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet: 

Wer kommt für die Erstattung infrage? 

Alle jungen Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren werden diese Erstattung erhalten. Der Impfstoff ist sehr teuer (etwa 375 Euro insgesamt, und es müssen drei Impfungen über einen Zeitraum von sechs Monaten durchgeführt werden).

Weshalb diese Altersgruppe? 

Am wirksamsten ist die Impfung, wenn sie vor den ersten Kontakten mit dem Krankheitserreger erfolgt, d.h. also vor den ersten geschlechtlichen Kontakten. Es ist sehr empfehlenswert, junge Mädchen vor dem Alter von 16 Jahren impfen zu lassen.

Welche Kosten kommen auf den Leistungsberechtigten zu? 

Die Leistungsberechtigten zahlen noch 30 Euro aus Ihrer ihrer eigenen Tasche.

Die drei in Belgien verwendeten Impfstoffe gegen humane Papillomaviren, werden außerdem teilweise im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet, insofern das Mädchen mindestens 12 Jahre alt ist oder zum Zeitpunkt der ersten Impfung noch nicht das 19. Lebensjahr vollendet hat. Der Eigenanteil beträgt dann 11,90 Euro je Impfdosis (7,90 für EKE-Versicherte). Derzeit haben Jungen keinen Anspruch auf Kostenerstattung. Je nach Impfstoff, der zwischen dem 14. und 15. Lebensjahr verabreicht werden muss, beträgt der Eigenanteil 2 x 68,93 Euro (für den Impfstoff Cervarix), 2 x 118,25 Euro (Gardasil™) oder 2 x 134,52 Euro ( Gardasil9™).

Unabhängig von ihrem Alter erhalten CKK-Versicherte, die ihre Beiträge zur Zusatzversicherung regelmäßig bezahlt haben, einen Kostenzuschuss von bis zu 25 Prozent des gezahlten Verkaufspreises (die maximale Jahressumme beträgt 25 Euro). Das Verfahren ist unkompliziert: bitten Sie Ihren Apotheker um eine BVAC-Bescheinigung für die Zusatzversicherung und reichen Sie diese bei Ihrer Ihrer CKK ein. 

Papillomavirus : Impfung für Jugendliche

Der Hohe Gesundheitsrat empfahl kürzlich allen Jugendlichen eine Impfung gegen das sexuell übertragbare und hochansteckende Virus, das humane Papillomavirus oder HPV.

Einige sind harmlos, wie diejenigen beispielsweise, die banale Warzen (auch Fußwarzen) verursachen. Andere hingegen können Infektionen im Bereich von Genitalien und After verursachen. Von diesen Infektionen, die unbemerkt bleiben, können nach einigen Jahren präkanzeröse Wucherungen im Gebärmutterhals (im unteren Bereich, nahe der Vagina) auftreten. Eher selten betroffen sind die Bereiche der  Scheide, After oder Penis. Einige Arten von Papillomaviren sorgen bei Männern und Frauen für Genitalwarzen (Feigwarzen).

Gut zu wissen: Das Papillomavirus wird beim Geschlechtsverkehr, bei intimen Zärtlichkeiten und Hautkontakt übertragen. Ein Kondom schützt hier nicht vollständig.

Schutzimpfung gegen Krebs

In unserem Land stehen drei Impfstoffe gegen humane Papillomaviren zur Verfügung:

  • ein Zweifachimpfstoff (Typ 16 und 18) (Cervarix ™),
  • ein Vierfachimpfstoff (Typ 16, 18, 6 und 11) (Gardasil ™),
  • ein Neunfachimpfstoff (Typ 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58) (Gardasil9 ™).

Der Hohe Gesundheitsrat bestätigt, dass die Wirksamkeitsrate der Zweifach- und Vierfachimpfstoffe für Mädchen und Frauen, die nie infiziert wurden, bei 90 Prozent bei Papillomaviren-Typen liegt. Diese Virenart ist immerhin für 74 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen in Europa verantwortlich. Im gleichen Zusammenhang liegt die Wirksamkeitsrate der Neunfachimpfstoffe bei fünf zusätzlichen HPV-Typen bei 96 Prozent. Durch diesen Impfstoff könnte folglich eine Absicherung gegen die für 90 Prozent der Gebärmutterhalskrebsarten verantwortlichen HPV-Typen gewährleistet werden.

Zusätzliche Empfehlungen

In Belgien wird die Impfung gegen HPV vor der eigentlichen Geschlechtsreife empfohlen, da von diesem Lebensabschnitt an ein Übertragungsrisiko besteht. Seit Dezember 2017 gibt der  Hohe Gesundheitsrat folgende Empfehlungen (1):

  • allgemeine Impfempfehlung für alle Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Bisher galt diese Empfehlung nur für Mädchen. Die Erweiterung auf die Jungen hilft, andere Krebsarten im Anogenital- und Mundrachenbereich zu vermeiden, die durch Papillomaviren verursacht werden können. Durch diese Maßnahme kann die Viren-Ausbreitung verhindert werden. Vor dem 15. Lebensjahr findet die Schutzimpfung in zwei Phasen statt (die zweite Impfung erfolgt sechs Monate nach der ersten);
  • Nachholimpfung für junge Frauen und Männer im Alter von 15 bis 26 Jahren. Diese darf vom behandelnden Arzt den Personen angeboten werden, die nicht an der generellen Schutzimpfung teilgenommen haben. In diesem Fall erfolgt die Impfung in drei Phasen (die zweite Impfung erfolgt 1 bis 2 Monate nach der ersten und die dritte nach weiteren sechs Monaten). Wegen des besonders großen Infektionsrisikos und der Gefahr von dysplastischen und kanzerösen Wucherungen sollten Schwule bis einschließlich 26 Jahre geimpft werden.
  • Impfung von abwehrgeschwächten (immunsupprimierten) Personen. HIV-Infizierte oder Patienten, die mit einem Spenderorgan leben, sind anfälliger für anhaltende HPV-Infektionen sowie dysplastische und  krebsartige Wucherungen. Bei ihnen wird im Verlauf der dreiphasigen HPV-Schutzimpfung der Neunfachimpfstoff verabreicht.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Wie jeder Impfstoff kann auch der gegen humane Papillomaviren (HPV) Nebenwirkungen verursachen: Kopf- oder Muskelschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle oder am Arm, ab und zu Müdigkeit, etwas Fieber und leichte Bauchschmerzen. Die nationalen und europäischen Gesundheitsbehörden gehen von einem günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis bei HPV-Schutzimpfungen aus.

Weitere Informationen finden Sie sie auf des Seiten des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft: Impfungen: der beste Schutz vor Infektionskrankheiten

(1) Gutachten Nr. 9181 des Hohen Gesundheitsrates. Schutzimpfung vor Infektionen mit humanen Papillomaviren, Juli 2017.

www.health.belgium.be

Redakteurin: Joëlle Delvaux

Foto: © Philippe Turpin - BELPRESS

www.mongeneraliste.be – 1. März 2018