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Recht auf Schutz des Privatlebens und der Privatsphäre


Die Rechte auf Schutz des Privatlebens und der Privatsphäre bleiben eine heikle Angelegenheit, da es Ausnahmeregelungen gibt. Und dennoch gehören sie zu den Grundrechten des Patienten.

Emma

Innerhalb von zwei Jahren musste ich zweimal in die Uniklinik. Beim zweiten Mal war ich ziemlich erstaunt, als ein Professor mit vier Studenten mein Zimmer betrat. Im halbwachen Zustand hörte ich, wie der Professor „meinen Fall“ bis in alle Einzelheiten anhand von schriftlichen Unterlagen und Röntgenaufnahmen darlegte. Die Studenten haben sogar zweimal meine Decke hochgehoben. Zwischenzeitlich war mein Mann angekommen, wurde aber gebeten draußen vor der Tür zu warten. Ich weiß, dass die jungen Leute ihren Beruf lernen müssen, aber das war mir dann doch zu viel.

Darf ein Arzt mit seinem ganzen Team in meinem Zimmer anrücken, ohne mich vorher zu benachrichtigen?

In einer Uniklinik arbeiten zahlreiche Praktikanten. Um später gute Ärzte zu werden, ist die praktische Erfahrung natürlich wichtig für sie. Das heißt aber nicht, dass der Arzt Sie nicht vorher informieren muss. Sie haben sogar das Recht, die Anwesenheit von Praktikanten abzulehnen, wenn diese nicht direkt an der Behandlung teilnehmen. Der hier beschriebene Fall ist ein Eingriff in die Privatsphäre der Patientin. Sie wurde nicht benachrichtigt, sie hatte keine Gelegenheit zur Einwilligung und ihre Intimität wurde verletzt. Der Partner bzw. die Vertrauensperson wurde sogar von ihr ferngehalten, obwohl seine Anwesenheit von Seiten der Patientin erwünscht war.

Ein Arzt

Bei einem meiner Patienten wurde eine HIV-Infektion diagnostiziert. Ich glaube, sein Partner weiß es nicht. Mein Patient will aber nicht, dass er es erfährt, weil er Angst hat, ihn zu verlieren. Ich bin meinerseits an die ärztliche Schweigepflicht gebunden.

Darf ich als Arzt dem Partner Auskünfte erteilen, die der Patient mit niemandem teilen möchte?

Jeder Patient, also auch wenn er HIV-positiv ist, hat ein Recht auf Schutz seines Privatlebens. Die ärztliche Schweigepflicht bezieht sich auf alles, was der Arzt bei der Ausübung seines Berufs oder im Umfeld seiner Praxis in Erfahrung bringt oder feststellt. Andererseits gibt es aber auch Fälle, in denen der Gesetzgeber im Interesse der öffentlichen Gesundheit und der Freiheit anderer Menschen ausdrücklich eine Ausnahme vorsieht. Die Ärztekammer* ist bereits mehrfach mit dieser heiklen Frage konfrontiert worden. Wenn ein HIV-positiver Patient sich weigert, die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu ergreifen, bzw. seinen Partner über die Infektion zu informieren, darf der Arzt sich auf den Notstand berufen, d.h. in dem hier beschriebenen Fall die Notwendigkeit, den Partner zu schützen. Aber diese Möglichkeit der Aufhebung des Arztgeheimnisses ist extrem einschränkend zu interpretieren, und der Arzt muss von Fall zu Fall entscheiden, ob eine Situation wirklich den Notstand rechtfertigt.